SpVgg Söllingen – TSVW 1:4
Vor dem Derby waren die Rollen auf dem Papier klar verteilt. Die SpVgg Söllingen ging als Tabellenzweiter mit drei Siegen aus drei Spielen, 16:3 Toren und neun Punkten in die Begegnung. Der TSV Wöschbach reiste mit vier Punkten als Außenseiter an. Auch der Vorbericht sah die Gastgeber deutlich vorne und prognostizierte einen 3:1-Heimsieg. Doch Derbys haben ihre eigenen Gesetze – und der TSV lieferte dafür eindrucksvoll den Beweis.
Wöschbach wählte bewusst eine defensive Grundordnung. Die Räume sollten eng gehalten, gemeinsam verteidigt und nach Ballgewinnen schnell umgeschaltet werden. Gegen die bis dahin so treffsichere Söllinger Offensive war Geduld gefragt – und die Mannschaft setzte den Plan über weite Strecken konsequent um.
Schneller Freistoß – Ermolaev hämmert den TSV in Führung
In der 15. Minute schlug der TSV erstmals zu. Nach einem schnell ausgeführten Freistoß schaltete Wöschbach blitzschnell um. Vasilii Ermolaev kam zum Abschluss und knallte den Ball unhaltbar unter die Latte – 0:1. Ein Treffer, der perfekt zur taktischen Marschroute passte.
Söllingen zeigte jedoch, warum die Mannschaft so stark in die Saison gestartet war. In der 30. Minute leistete sich die Wöschbacher Abwehrkette einen Stellungsfehler. Nach einem Schnittstellenball war Fynn Ahlers aufmerksam eingelaufen und ließ Rouven Becker keine Chance: Überlegt schlenzte er den Ball in die lange Ecke zum 1:1.
Die Reaktion des TSV folgte nur drei Minuten später. Wieder wurde eine Standardsituation gefährlich. Ermolaev brachte eine scharfe Ecke vor das Söllinger Tor, wo ein Abwehrspieler den Ball unglücklich verlängerte. Die Kugel schlug unhaltbar im eigenen Netz ein – 1:2 für Wöschbach.
Geschlossen verteidigt – Becker als starker Rückhalt
Mit der Führung im Rücken blieb der TSV seiner Linie treu. Wöschbach stand tief, verteidigte leidenschaftlich und suchte nach Ballgewinnen immer wieder die Chance zum Konter. Es war keine Partie, die durch langen Ballbesitz entschieden wurde, sondern durch Disziplin, Laufbereitschaft und konsequente Arbeit gegen den Ball.
Wenn Söllingen die Wöschbacher Defensive überwinden konnte, war Rouven Becker zur Stelle. Der TSV-Keeper zeigte mehrere großartige Paraden und erwies sich einmal mehr als sicherer Rückhalt seiner Mannschaft.
Die Schlüsselszene vor dem 1:3
Bevor Wöschbach die Führung ausbauen konnte, hatte der TSV allerdings auch das nötige Glück. In einer Zweikampfsituation im Wöschbacher Strafraum hätte die Schiedsrichterin durchaus auf Elfmeter für Söllingen entscheiden können. Es war eine klassische 50:50-Szene – auch über einen Strafstoß hätte sich auf Wöschbacher Seite niemand ernsthaft beschweren können.
Die Entscheidung fiel jedoch gegen einen Elfmeter, und wenig später nutzte der TSV auf der anderen Seite erneut seine große Stärke bei Standards. Ermal Qorri brachte eine Ecke in den Strafraum, Jonas Maier stieg hoch und köpfte zum 1:3 ein. Wieder ein Treffer nach einer Ecke – und ein wichtiger Schritt in Richtung Derbysieg.
Weimanns Solo setzt den Schlusspunkt
Söllingen versuchte noch einmal, zurückzukommen, doch Wöschbach verteidigte die Führung als geschlossene Einheit. In der Nachspielzeit folgte schließlich der vielleicht schönste Moment des Nachmittags.
Benito Weimann schnappte sich den Ball an der Mittellinie und startete einen sehenswerten Sololauf. Er ließ sich auf dem Weg zum Tor nicht mehr stoppen und vollendete die Aktion in der 90.+5 Minute, indem er auch noch den Söllinger Torhüter tunnelte. Das 1:4 – und endgültig der Deckel auf einem besonderen Derby.
13-jährige Schiedsrichterin überzeugt
Ein großes Kompliment verdiente sich auch die erst 13-jährige Schiedsrichterin. Ein Derby im Herrenbereich zu leiten, ist eine anspruchsvolle Aufgabe – umso bemerkenswerter war, mit welcher Ruhe sie die Begegnung führte. Sie war jederzeit Frau der Lage und ließ sich auch von schwierigen Situationen nicht aus der Ruhe bringen.
Dass es bei der möglichen Elfmeterszene unterschiedliche Sichtweisen geben kann, gehört zum Fußball. Gerade deshalb verdient ihre gesamte Spielleitung Anerkennung. Der TSV Wöschbach wünscht der jungen Unparteiischen weiterhin viel Freude und Erfolg auf ihrem Weg. Genau diesen Nachwuchs braucht der Amateurfußball – gerne mehr davon!
Verdienter Arbeitssieg mit Ausrufezeichen
Am Ende steht ein verdienter 4:1-Derbysieg des TSV Wöschbach. Das Ergebnis fiel deutlicher aus, als es der lange Zeit umkämpfte Spielverlauf vermuten ließ. Wöschbach überzeugte mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, einer disziplinierten Defensive, einem starken Rouven Becker und erneut großer Gefahr bei Standards.
Ausgerechnet beim bis dahin verlustpunktfreien Tabellenzweiten setzte der TSV damit ein Ausrufezeichen. Der Favorit hatte die stärkere Ausgangsposition und eine beeindruckende Offensivbilanz – Wöschbach hatte an diesem Nachmittag jedoch den besseren Plan und setzte ihn als Mannschaft konsequent um.
Ein Derbysieg, der durch Disziplin, Zusammenhalt, Effizienz und harte Arbeit entstanden ist – und deshalb umso schöner schmeckt. Weiter so, TSV!














